Zauneidechsenbiotop

Lesesteinhaufen – ein wertvolles Kleinbiotop nicht nur für Zauneidechsen

 

Das Schulgelände der Außenstelle unseres Gymnasiums in Leiferde grenzt an eine kaum genutzte Brachfläche mit einem Zauneidechsenvorkommen. Dies ist eine nach Bundesnaturschutzgesetz und FFH-Richtlinie streng geschützte Art. Daher wollen wir dieses Vorkommen mit der Anlage eines Lesesteinhaufens unterstützen, denn es ist eine Besonderheit auf unserem Schulgelände. Die Planung und Umsetzung des Projektes erfolgte durch eine Seminarfachgruppe und die naturkundlichen Arbeitsgemeinschaften des Gymnasiums im Rahmen der Naturschutzwoche 2016, welche auch die weitere Pflege des Lesesteinhaufens übernehmen wird. Das Projekt ist zudem Bestandteil der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in dessen Rahmen wir uns als Umweltschule in Europa bewerben.

 

Das Projekt wurde 2016 im Rahmen des Seminarfachs in 12.1 unter dem Oberthema „Artenvielfalt bewahren“ als Gruppenarbeit von A. Kretschmer, D. Matthies, E. Reichenau, J. Mrowetz, R. Schulz, S. Hilse, Y. Glatthaar, J. Rabe und L. Müller unter der Leitung von Dipl.-Biol. F. Preusse verwirklicht. Tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung gab es von der Arbeitsgemeinschaft „Avi-Faunistik“, sowie von Herrn Mrowetz, der die Bilder zur Verfügung gestellt hat.

 

Ein besonderer Dank gilt der niedersächsischen BINGO-Umweltstiftung und dem Förderverein des Sibylla-Merian Gymnasiums e.V., welche das Projekt finanziell unterstützt und somit erst ermöglicht haben.


Die Planungen

Kosten- und Finanzierungsplan
Kosten- und Finanzierungsplan

Die Planungsphase beinhaltete, neben der Auseinandersetzung mit  Bauplänen für einen Lesesteinhaufen, auch die Standortfrage. Wir fanden, mit Unterstützung von Herrn Preusse, einen passenden Standort im Nordteil des Schulgeländes hinter dem Schulteich. Anschließend wurde das Gelände des zukünftigen Lesesteinhaufens abgesteckt und vermessen. Mit den Maßen wurde dann ein Kosten- und Finanzierungsplan aufgestellt, welcher die Materialien für den Staketenzaun, das Tor und das Schild umfasste. Insgesamt beliefen sich diese Kosten auf 1187,58 Euro. Wir beantragten entsprechende Fördermittel bei der Niedersächsischen BINGO-Umweltstiftung  und dem Förderverein unserer Schule.

Weiterhin mussten die konkreten Arbeiten, deren Reihenfolge und die benötigten Materialien geplant werden.


Die Vorarbeiten

Leiferder Naturgucker nach der Gehölzentfernung
Leiferder Naturgucker nach der Gehölzentfernung

Damit die Zauneidechsen optimale Bedingungen vorfinden, muss eine Lesesteinhaufen möglichst sonnenbeschienen sein. Auf der vorgesehen Fläche befanden sich einige Gehölze, welche im Vorfeld entfernt wurden.

Da der eigentliche Aufbau des Lesesteinhaufens und des Staketenzauns an einem Vormittag erfolgen sollte, waren weitere Vorarbeiten zur zeitlichen Entlastung notwendig. Hierzu zählen das Sammeln von Steinen und der Erdaushub.


Die Projektumsetzung

erfolgte im Wesentlichen am Samstag den 12.11.2016 im Rahmen der Naturschutzwoche 2016. Die einzelnen Arbeitsschritte können den Bildern und dem Zeitungsartikel entnommen werden.


Aller-Zeitung 14.11.2016
Aller-Zeitung 14.11.2016

Zur Bedeutung von Lesesteinhaufen

Bis vor wenigen Jahrzehnten entstanden Steinhaufen und Steinwälle zu Tausenden als Nebenprodukt der bäuerlichen
Arbeit: Durch das Pflügen von Ackerflächen wurden laufend mehr oder weniger grosse Steine an die Oberfläche befördert, die von den Landwirten aufgesammelt und am Feldrand zu Haufen oder Wällen (Riegeln) geschichtet wurden. Im Berggebiet mussten aus Weiden und Wiesen ebenfalls regelmässig Steine entfernt werden, die durch Lawinen, Hochwasser oder Steinschlag auf die genutzten Flächen eingetragen wurden. Auch hier entstanden teils grosse Lesesteinhaufen und Lesesteinwälle, die häufig charakteristisch für ganze Talschaften sind.

 

Steinhaufen und Steinwälle bieten fast allen Reptilienarten und vielen anderen Kleintieren wichtige und attraktive Versteckmöglichkeiten, mikroklimatisch günstige Sonnenplätze, Eiablagestellen sowie Winterquartiere. Die agrarwirtschaftlich genutzte Landschaft wird durch diese Kleinstrukturen für viele Arten überhaupt erst besiedelbar und attraktiv. Leider ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte ein grosser Teil dieser wertvollen Kleinstrukturen verloren gegangen; sie standen der Intensivierung der Landwirtschaft im Weg oder sind als störende und als unordentlich wirkende Landschaftselemente eliminiert worden. Auch heutzutage würden durch die landwirtschaftliche Tätigkeit laufend neue Lesesteinhaufen oder -wälle und damit Reptilienlebensräume entstehen. Der Einsatz von Maschinen erlaubt es aber, die Lesesteine über weite Strecken zu verfrachten und an Orten zu deponieren, wo sie zwar weniger störend wirken – beispielsweise in alten Kiesgruben oder im Flussbett – aber ihren ökologischen Zweck nicht mehr erfüllen können.

 

Steinhaufen und Steinwälle sind Jahrhunderte alte Zeugnisse der bäuerlich geprägten Landschaftsgeschichte und Teil der traditionellen Kulturlandschaft. Hier sind sie darüber hinaus mit die wichtigsten Strukturelemente des intakten Reptilienlebensraums. Sie haben damit nicht nur einen hohen ökologischen, sondern auch einen kulturhistorischen und landschaftsästhetischen Wert! Der Erhalt, die Pflege und die Neuanlage von Lesesteinhaufen, Lesesteinwällen und Trockenmauern ist ein geeigneter Weg, um Reptilien und viele andere Kleintiere (Insekten, Spinnen, Schnecken, Kleinsäuger etc.) in der Kulturlandschaft zu fördern.

 

Quelle: A. Meyer, G. Dušej, J.-C. Monney, H. Billing, M. Mermod, K. Jucker (2011): Praxismerkblatt Kleinstrukturen Steinhaufen und Steinwälle; karch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz

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Praxismerkblatt Kleinstrukturen Steinhaufen und Steinwälle
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